Länder und ihre Gewohnheiten: Kaffee-Genuss im Ausland

Deutschland ist ein Kaffeeland. Im Schnitt trinken die Bundesbürger 164 Liter Kaffee im Jahr. Also eine ganze Badewanne voll. Bei der Zubereitung sind hierzulande vor allem die Filterkaffeemaschine sowie der Vollautomat gefragt. Großer Beliebtheit erfreuen sich auch verschiedene Kapsel- und Padsysteme.

Kaffeebohnen

Gefragt war das morgendliche Heißgetränk schon zu Beethovens Zeiten. Der Komponist zelebrierte seine tägliche Tasse auf außergewöhnliche Weise: 60 abgezählte Bohnen, nicht mehr oder weniger, wurden jeden Morgen für den Pianisten gemahlen. Aber nicht nur hierzulande spielt der aromatische Wachmacher seit jeher eine große Rolle. Deshalb nehmen wir Sie mit auf eine aromatische Rundreise durch die Kaffeekultur.

Kaffee kennt in seiner Vielfalt keine Grenzen. Ob mit heißer Milch oder ohne, mit Sirup oder Milchschaum, mit stark gerösteten Bohnen oder ganz mild – in vielen Ländern schätzen die Menschen den Genuss eines frischen Kaffees. Doch wie bereitet man ihn in Österreich oder in Frankreich zu? Jedes Land hat seine eigenen Spezialitäten und diese unterscheiden sich nicht nur in der Zubereitungsart, sondern auch im Geschmack.

frischer Kaffee

Italien: Nichts geht über den kleinen Espresso

Einen Kaffee in Italien zu trinken, ist so natürlich, wie in Neapel eine Pizza zu bestellen oder in Mailand eine Shopping-Tour zu unternehmen. Egal, wohin es in Italien geht, der kraftvolle, nachhaltige Geruch von frischem Kaffee weht Ihnen an beinahe jeder Ecke um die Nase. Das länderspezifische Verständnis von Kaffee liegt bereits in der Begrifflichkeit begründet. Der typische italienische “Caffè” ist eigentlich ein Espresso , also zwei bis drei kleine Schlucke mit “Crema”. Eine große Tasse Filterkaffee gibt es in Italien nicht. Alternativ kann man jedoch einen Americano bestellen. Dabei handelt es sich um einen mit heißem Wasser verlängerten Espresso (Verhältnis 1:3). Verglichen mit Filterkaffee verfügt dieser über einen vollmundigeren Geschmack. Eine weitere Option für Filterkaffeetrinker ist der Caffè lungo – ein mit der doppelten Wassermenge aufgebrühter Espresso.

Während man im Norden Italiens eher heller geröstete Bohnen bevorzugt, liebt man im Süden dunkle Röstungen. An der Sohle des Stiefels wird der Espresso zudem in besonders konzentrierter Form als „Ristretto“ genossen. Dieser wird bei der gleichen Kaffeemenge mit nur 15 ml Wasser statt den üblichen 25 ml zubereitet.

Kaffeetasse

Kein Cappuccino nach 12 Uhr

Außerdem gibt es zahlreiche Variationen – beispielsweise den erfrischenden Eiskaffee “Caffè freddo” oder den mit einem Schuss Grappa versetzten “Caffè corretto” – sowie die Klassiker mit Milch. Wenn es nur etwas Milchschaum sein darf, bestellen Sie sich einen Cappuccino, bei größerer Milchmenge einen Latte macchiato. Achtung: Wenn Sie in Italien einen Latte macchiato mit der in deutschsprachigen Ländern beliebten Kurzform “Latte” ordern, serviert man Ihnen ein Glas Milch.

Der Cappuccino gilt in Italien als reines Frühstücksgetränk. Wer ihn nach ihn nach 12 Uhr bestellt, outet sich als Tourist und begeht in den Augen der Italiener einen kulinarischen Fauxpas. Wird ein Cappuccino nach einer üppigen Mahlzeit geordert, gibt dem Koch oder Köchin damit zu verstehen, nicht satt geworden zu sein. Eine größere Beleidigung ist in Italien kaum vorstellbar.

Kaffee

Kaffeegenuss in Frankreich

Von Italien geht es weiter nach Frankreich. Hier trinkt man seinen Kaffee gerne „au lait“ (mit Milch). Die Tasse tauschen die Franzosen dabei einfach gegen eine große Schüssel, die „bol”. Café au lait besteht zur Hälfte aus Kaffee, zur anderen Hälfte aus heißer Milch oder Milchschaum.

In französischen Cafés wird der Kaffee überwiegend mit der French-Press-Methode zubereitet. Bei diesem Verfahren, das 1850 in Frankreich erfunden wurde, wird Kaffeepulver in einer sogenannten Stempelkanne mit heißem Wasser übergossen und nach 4-5 Minuten Ziehzeit auf den Boden gepresst. Dazu wird ein frisch gebackenes Croissant gereicht und der Start in den Tag ist perfekt!

Kaffee im Glas

Spanische Kaffeekultur

Auch in Spanien gehört ein guter Kaffee zum Lebensgefühl. Für viele Bewohner der iberischen Halbinsel ist der „Café solo“ das einzige Frühstück. Er ähnelt dem italienischen Espresso: Klein, schwarz, stark. Die Spanier bevorzugen dunkel geröstete Bohnen mit einem höheren Robusta-Anteil, der für einen kräftigen Geschmack sorgt. Oft wird der Kaffee mittels Torrefacto-Verfahren geröstet, bei dem während des Vorgangs Zucker hinzugegeben wird. Die Bohnen karamellisieren und verfügen so über einen angenehmen, süßlichen Geschmack. Möchte man in Spanien eine große Tasse Kaffee trinken, ordert man, wie auch in Italien, einen Americano. Wer seinen Kaffee mit Milch bevorzugt, trinkt „Cortado“ (Espresso mit einem Schuss Milch). Beim „Carajillo“ hingegen wird der Espresso mit einem Schuss Brandy serviert.

Kaffeegebäck

Kaffeepaussi in Finnland

Sie trinken ihn nachts, während der Arbeit, quasi rund um die Uhr. Schon seit Jahrzehnten gehören die Finnen zu den eifrigsten Kaffeetrinkern der Welt. 8 Kilo verbrauchen sie pro Kopf im Jahr (die Deutschen trinken rund 5,5 Kilogramm). Die meisten Finnen bevorzugen ihren „Kahvi“ mit Milch und Zucker. Dazu gibt es frische Zimtschnecken oder Blaubeerkuchen – was will man mehr?

Die „Kaffeepaussi“, die täglich mehrfach eingelegt wird, ist für die Finnen ein Stück Lebensqualität. Selbst Arbeitnehmern steht sie zweimal pro Tag für je 15 Minuten zu. Auch in der Sprache schlägt sich die Liebe zum koffeinhaltigen Heißgetränk nieder. So trägt Kaffee unterschiedliche Namen, abhängig davon, zu welcher Tageszeit er getrunken wird: „Aamukahvi“ ist der Kaffee am Morgen, am Vormittag heißt er „aamupäiväkahvi“, danach „päiväkahvi“, ab Nachmittag „iltapäiväkahvi“ sowie nachts „yökahvi“.

Bietet Ihnen ein Finne eine Tasse Kaffee an, sollten Sie übrigens immer annehmen – und auch trinken. Alles andere gilt als äußerst unhöflich.

Zimtrollen mit Kaffee

Fika in Schweden

Weiter geht die Reise. Nächster Halt: Fika. Dabei handelt es sich schlicht um den schwedischen Ausdruck für das Kaffeetrinken. Und das steht bei den Schweden mehrmals täglich auf dem Programm. Obligatorisch zur Tasse Kaffee ist hier ein kleines Gebäckstück wie eine „Kanebulle“ (Zimtschnecke) oder Plundergebäck. In vielen schwedischen Büros gehört eine angeordnete Fika-Pause zu den üblichen Kommunikationsroutinen. Aber auch mit Familien und Freunde wird der Kaffee zelebriert.

In Schweden läuft die Kaffeezubereitung etwas anders. Kein Filterkaffee, kein Espresso: Stattdessen kocht man grob gemahlenes Kaffeepulver mit Wasser auf. So bleibt zwar Kaffeesatz in der Tasse zurück, das Aroma ist jedoch deutlich intensiver als beim Filterkaffee. Die Schweden trinken in der Regel schwarz und etwas stärker als in Deutschland.

Das ABC der internationalen Kaffee-Spezialitäten

Affogato al Caffè: Ein italienischer Dessert-Klassiker, der aus einem Espresso und einer Kugel Vanilleeis besteht.

Eiskaffee

Americano: Ein mit heißem Wasser verlängerter Espresso (Verhältnis: 1:3).

Americano Kaffee

Barraquito: Eine spanische Kaffee-Variante mit Kondensmilch, Zucker und Likör.

Barraquito Kaffee

Biedermeier: Ein starker Kaffee ist die Grundlage dieser österreichischen Spezialität. Der Kaffee wird in eine große Tasse gegeben und mit Marillenlikör verfeinert. Mit einer Sahnehaube garniert entsteht ein Hochgenuss für Kaffeeliebhaber.

Großer Brauner: So wird in Österreich ein doppelter Espresso mit Milch in einer großen Tasse genannt.

Kleiner Brauner: Ein kleiner Brauner ist in Österreich ein einfacher Espresso mit Milch in einer kleinen Tasse.

Café au lait: Die französische Variante des Milchkaffees.

Café Crème: Der Café Crème kommt aus der Schweiz und ist eine große Tasse Kaffee, die nach der Espressomethode zubereitet wird. Für die Crème wird flüssige Sahne in den Kaffee gemischt.

Caffè corretto: Ein Espresso, versetzt mit Grappa oder anderen Spirituosen, z. B. Cognac, Weinbrand, Amaretto.

Café frappé: Besonders in Griechenland ist diese Kaffeespezialität beliebt. Instantkaffee wird mit Wasser und Zucker aufgeschäumt und kalt mit Eiswürfeln serviert.

Caffè freddo: Dieses Getränk setzt sich aus einem Espresso, viel kalter Milch, Eiswürfeln und, falls gewünscht, Zucker zusammen. Während der heißen Sommermonate ist es in Italien eine beliebte Erfrischung.

Caffè Latte: Diese Kaffeespezialität ist die italienische Variante des Milchkaffees.

Cappuccino: Ein echter italienischer Cappuccino besteht aus je einem Drittel Espresso, heißer Milch und Milchschaum.

Carajillo: Bei dieser in Spanien beliebten Kaffeespezialität wird ein Espresso mit einem Schuss Brandy verfeinert.

Cortado: Espresso mit einem Schuss Milch.

Doppio: Ein doppelter Espresso.

Einspänner: Der Einspänner ist eine österreichische Kaffeespezialität. Ein starker Kaffee wird mit Schlagsahne in einem Glas serviert.

Espresso: Ein Espresso ist ein sehr starker Kaffee, der in speziellen Espressotassen serviert wird.

Flat White: Der neuseeländisch-australische Verwandte des Cappuccinos. Er wird auf Basis von 2 Espressi und mit etwas weniger Milch(schaum) zubereitet.

Granita di Caffè: Ein italienisches Sommer-Dessert mit gefrorenem Espresso und Sahne.

Griechischer Kaffee: Der griechische Kaffee ist ein zwei- beziehungsweise dreifach aufgekochter, starker Kaffee. Er ähnelt dem türkischen Mokka.

Irish Coffee: Kaffee, Whisky und halbfeste Schlagsahne – eine wunderbare Kombination.

Kaffee verkehrt: Der „verkehrte“ Kaffee wird wie die Melange zubereitet, hier wird zuerst die aufgeschäumte Milch eingeschenkt, dann der Kaffee zugegeben und das Ganze wird mit Traubenzucker verfeinert.

Kaisermelange: Eine Melange der Extraklasse: Dank Sahne, Eigelben und Cognac ist sie unwahrscheinlich cremig – und so gehaltvoll, dass sie eines Kaisers würdig ist.

Kapuziner: Eine österreichische Kaffeevariante auf Basis von Lungo mit einer Sahnehaube.

Latte Macchiato: Verglichen mit dem Cappuccino wird beim Latte Macchiato deutlich mehr aufgeschäumte Milch verwendet. Man füllt sie in ein Glas und wartet kurz, damit sich Milch und Schaum voneinander absetzen. Anschließend wird vorsichtig ein Espresso hinzu gegeben. Er setzt sich zwischen heißer Milch und Milchschaum ab, wodurch die gewünschten Schichten entstehen.

Lungo: Als Lungo wird ein verlängerter Espresso bezeichnet. Für die Zubereitung wird mehr Wasser verwendet.

Melange: Die Melange ist eine österreichische Spezialität; gleiche Menge Kaffee und Milch, meist mit ein wenig Milchschaum.

Mokka: Als Mokka wird in Österreich ein starker Kaffee ohne Milch bezeichnet.

Pharisäer: Sieht aus wie Kaffee mit Sahne, erfreut unter der Haube jedoch mit einem ordentlichen Schuss Rum.

Ristretto: Als Ristretto wird ein Espresso mit sehr wenig Wasser bezeichnet.

Verlängerter: Ein Verlängerter ist in Österreich ein Espresso, der mit der doppelten Menge Wasser zubereitet wird.

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